Johanna hat sich für eine Tantra-Massage bei einem Mann entschieden. Nach ein paar Tagen haben wir diesen wunderschönen Erlebnisbericht bekommen. Wir bedanken uns für die Offenheit und für die Erlaubnis den Text veröffentlichen zu dürfen.

„Du bist verliebt. „Nein“.
„Du bist nicht verliebt?!“
„Nein, viel besser:

Ich hatte eine Tantra-Massage.“


Seit fast einer Woche befinde ich mich auf einem einzigartigen Höhenflug. Immer wieder fühle ich mich berührt. Ich brauche nicht zehren, weil die Berührung präsent ist. Immer wieder. Eine Erfahrung, die anscheinend in meinem Körper positiv abgespeichert ist und die ich nach Belieben verfeinern, verteilen und nutzen kann. Nach allem, was ich davor über Tantra-Massage gelesen habe: Was es ist, konnte ich erst durch mein eigenes Tun begreifen.

Weil Tantra und alles, was danach kommt, unbeschreiblich ist. Fast unglaublich.

Die Massage hat nur zu mir selbst geführt. Auf verschiedenen Ebenen. Sie war für mich effektiver als eine Therapie. In der Therapie hätte ich ein Thema wochenlang im Kopf bewegt und in der Verhaltenstherapie „gelernt“. Durch die Tantra-Massage waren viele Dinge plötzlich sonnenklar.

Was ist passiert? Ich habe eine Massage genossen, die mich hat fühlen lassen. Die mir knallhart Erkenntnisse vor die Füße warf, wofür mein Kopf Wochen gebraucht hätte. Eine Massage, die mir so viel Klarheit über mich selbst brachte und die Kraft und Energie, es direkt mit der anderen Person zu klären. Mir ist es so deutlich vor Augen geführt worden, dass ich auch in der Liebe und bei den positiven Gefühlen aufrichtig sein muss. Dass ich nicht nur sage: „Ich mag Dich“, wenn ich „ich liebe Dich“ meine und fühle. Weil eine Frau es einem Mann nicht sagt, weil eine Frau abwartet, bis er den ersten Schritt tut. Weil „Liebe“ so ein großes Wort ist, vor dem ich Angst hatte, es könnte den anderen erdrücken. Ok, ich bin mal wieder im Gestern und in meiner Nicht-Übung im heterosexuellen Kontext hängen geblieben und hab mich tatsächlich durch das heteronormative Geschwätz von meinem Bruder beeindrucken lassen.

Ich war im Frühjahr diesen Jahres tot, als ich mich aus der Beziehung von meiner Frau löste, die geprägt war von Abwertung, Beleidigungen, Gewalt inklusive einem sexualisierten Übergriff. Meine sexuelle Kraft war bis zur Unkenntlichkeit versunken. Ich wollte von nichts und niemandem etwas wissen. Wollte mich nicht verlieben, keine_n küssen, keine Beziehung, keinen Sex. Mich selbst nicht anfassen. Ich dachte, ich müsste mich neu erfinden und erst einmal nur für mich da sein. Erstens: Ich, zweitens: ich, drittens: ich.

Dann traf ich unerwartet auf einen Mann, durch den ich letztendlich nur auf mich selbst zurückgeworfen wurde. Ich merkte, wie meine Libido erwachte. Nach einem unerwartet entspannten Segel-Nachmittag fühlte ich auf dem langen Heimweg Erregung, feuchte Lippen. Plötzlich bin ich nur noch Körper, meine Yoni sprudelt Freudenflüsse hervor, die ich mit mir allein noch nie hatte. Meine Lebenskraft ist zurück. Viel Schmerz, Trauer und Wut, die ich durch mich durchgeleitet habe. Meine Verliebtheit blieb trotz Flirtens unerwidert. Nichtlebbare Liebe, die für mich zur Qual wurde.

Die Tantra-Massage war wie eine homöopathische Behandlung. Ich konnte mich, meine Liebe von der Beziehung auf andere lösen. Es ist nicht entscheidend, dass ich zurück geliebt werde. Es ist entscheidend, dass ich liebe. Alle Liebe, die zu mir kommt, ist ein Geschenk.

Mein Blick auf die Schönheit jedes/jeder einzelnen hat sich verändert und ich sehe die Schönheit. Eine natürliche Wertschätzung, die ich selbst genieße nach einer langen Zeit der Missgunst, des Misstrauens, die ich von meinen nächsten mir nahestehenden Personen erlebt und übernommen hatte. Kein Wunder, dass ich mich selbst verlor.

Ich möchte nicht verschweigen, dass ich in dieser Woche viele, viele Tränen vergoss, von denen ich annahm, dass sie bereits während der Massage fließen würden, dass sich mein Herz zusammenkrampfte und ich viel Schmerz, Trauer und Wut fühlte.

Tantra und die eigene Sexualität

In der Massage habe ich erlebt, wie sich eine Yoni-Massage von Sex unterscheidet. Mein Kopf und mein Körper waren auf eine sinnliche Massage eingestellt. Ich konnte die Berührungen in einer sehr feinen Intensität spüren. Nur für mich selbst genießen. Keine Orientierung auf Sex, auf Orgasmus. Das war eine sensationelle Selbst-Erfahrung: ich musste nicht in Bezug auf eine andere Person sein, nicht mich beziehen auf den Körper der/s anderen. Nicht mal auf meinen Masseur, obwohl ich Pete wahr-genommen habe. Das war ein sehr himmlisches Gefühl.

Besonders wertvoll finde ich die Erfahrung der zweckfreien Berührung, die ich jetzt selbst auch beim Masturbieren anwende.

Durch die Massage wurde meine sexuelle Kraft, die sich in meiner Gebärmutter konzentrierte, auf wundersame Weise verteilt: in das Herz, in den Mund, in die Augen in meine Gehirn und wieder zurück. Ich habe in der letzten Woche erlebt, wie diese Energie floss und wieder in meiner Gebärmutter ankam. Verändert, weicher, liebevoller. Meine Gedanken waren bei keiner anderen Person mehr. Nur bei mir selbst, auf meiner Clit, zwischen meinen Lippen auf dem Weg in meine Höhle.

Diese Massage war für mich der Anfang für weiteres Experimentieren.

Ich bin im Kontakt aufrichtiger und körperlicher geworden. Ich hatte angefangen, Komplimente, die ich denke, unvoreingenommen zu äußern. Die Massage hat mich wieder daran erinnert. Ich habe mich getraut, mit einer Lesbe Händchen zu halten, die ich schon seit 8 Jahren sehr attraktiv finde. Ich glaube, sie war etwas irritiert und erzählte mir flugs von ihrer „neuen“ Liebe. Hab ich mich direkt mitgefreut und weiter ihre Hand gehalten.

Tantra: ein Beitrag zu meiner Gesundheit

Einen Tag nach der Massage trank ich Wein und habe am nächsten Tag alles wieder hervorgebracht, was ich den Abend vorher gegessen und getrunken hatte. Seitdem habe ich eine Alkoholintoleranz. Ich vertrage ein Gläschen in Gesellschaft. Das war vorher anders.

Alkohol verwende ich jetzt zum Kochen.

Meine Sinne sind geschärft, ich nehme die Dinge um mich schärfer wahr. Seien es die gezackten Rosenblätter vor meinem Fenster, seien es die herbstlichen Sonnenstrahlen auf meinem Bauch, sei es die Farbe des Kürbis, die Gerüche aus der Pfanne.

Als ich am Samstag mit der Maurerinnenkelle auf das Baugerüst stieg, war ich über die feine körperliche Koordination meiner Muskeln erstaunt. Unbeschreiblich das Gefühl, fest auf meinen Füßen zu stehen und meinen Körper vor, zurück auf die Seite – immer schön die Arme nach oben – so sicher und fest bewegen konnte.

Tantra im beruflichen Kontext

Mit einem nicht enden wollenden Grinsen im Gesicht und mit einem freien Herzen gehe ich nun Tag für Tag meiner Arbeit nach. Abgesehen von der manchmal nicht so guten Konzentration, begegne ich meinen KundInnen mit meiner eh vorhandenen offenen, aber nunmehr noch mehr unvoreingenommenen Art. Ich erlebe den Kontakt viel wahrhaftiger. Habe ich vorher meine Arbeit schon mit sehr viel Leidenschaft betrieben, so ist es nach dieser Massage noch ehrlicher, wahrhaftiger, bewusster. Ich werde mit den Menschen, mit denen ich es zu tun habe, mit noch mehr Herz und Liebe begegnen.

Die Massage hat dazu geführt, dass mein Herz sprüht, ich so voll positiver Energie bin, dass das meiner Umwelt zugute kommt. Da stehe ich vor einer Gruppe von Frauen, und ich habe so geniale Ideen und male Herzen an das Flipchart, rate zur Selbstorganisation statt zur sogenannten „Professionalisierung“. Ich bekomme sehr genau mit, was alles neben den „Fakten“ im Raum mitschwingt. Ich habe so viele Komplimente kassiert, den nächsten Auftrag in der Tasche und mir sind so viele Herzen zugeflogen.

Meine nächsten Business-Fotos werde ich nach einer Tantra-Massage machen lassen.

Warum Tantra ein Beitrag zum Weltfrieden ist

Liebe ist in mir und universell, transpersonal und anscheinend unendlich. Sie ist gerade nicht mehr auf eine konkrete Person bezogen. Ich kann sie auf viele verteilen, mit denen ich in Kontakt komme. Das ist hoffentlich für die Person sehr entlastend, in die ich mich verliebt habe, sie sich jedoch nicht in mich. Ich kann jetzt wieder experimentieren, frei ohne Erwartungen zu geben. Außerdem entspricht es viel mehr meinem Lebensstil, mit vielen in Verbindung zu sein, die Lieben, wie sie sind zu leben.

Wenn Tantra auf alle, die es erleben, solch wunderbare Folgen hat, dann würde es sich lohnen, wenn sich alle mächtigen Männer und Frauen dieser Welt vor wichtigen Verhandlungen dieser Massage unterziehen. Utopie. Aber ich fange bei mir an. Dann kann das mit dem Weltfrieden auch noch etwas werden.

Warum ich Ananda empfehle

Von Ananda habe ich über eine Kundin von mir erfahren und ich googelte sofort unter Eurem Namen. Und bin in guten Händen gelandet. Es war nicht nur Zufall, sondern ich fühlte mich durch die Homepage sehr angesprochen und aufgehoben. Durch die Texte, die Informationen, die Links. Eine Super-Referenz ist für mich der Link zu Laura Méritt, die ich sehr verehre und wegen ihres Pionierinnengeistes und –mutes sehr schätze. Auf der Clit-Com-Seite habe ich sehr viel dazugelernt.

Bei Euch kommen die Frauen als Empfängerinnen der Massage genauso vor wie die Männer, sie werden ernst genommen, dargestellt, berichtet. Sie sind unterrepräsentiert in den Feed-Backs. Ihr habt Masseure im Team, was für mich echte Wahlmöglichkeiten eröffnet hat (oder eben auch nicht, da ich einen Masseur wollte: Wegen der angeblichen „männlichen“ Energien. Nach der Massage habe ich mich gefragt: Bitte, was sind männliche Energien? Vielleicht würde ich es jetzt so formulieren: Bitte nicht so glatt rasieren!). Ihr selbst seid ForscherInnen der weiblichen Sexualität. Die männliche Seite dessen habe ich mir nicht angeschaut. Aber ich glaube, dass die männliche Sexualität in der öffentlichen Darstellung und den Reduzierungen auch nicht besonders gut wegkommt und auch nicht gesund sein kann.

Entgegen meiner Erwartung, ich könnte es nur meinen Freundinnen erzählen, dass ich mir eine Tantra-Massage gegönnt habe, erzähle ich sehr offen auch einigen, bei denen ich mir vorgenommen habe, darüber zu schweigen. Bevor mir unterstellt wird, ich sei verliebt, breche ich mein Schweigen und schwärme: „Das will ich auch!“. Und während sie googeln, googel ich auch. Ich bin entsetzt, was ich finde. Aufreizende Posen, nackte Frauen, Frauen in Reizwäsche. Schallendes (eher verzweifeltes) Gelächter, als ich lese: „Yonimassage 5 – 30 min“. Bei manchen Angeboten kommt eine Yonimassage gar nicht vor (und das war keine Seite von Männern für Männer!) Und das habe ich gerade einem Freund empfohlen??? Also ganz schnell wieder ans Telefon: „Wenn, dann Ananda und wenn woanders, dann frag mich, ob das gut sein kann.“

Also ganz dickes Danke für Eure Texte, Eure Infos und diese einfach schönen, unverstellten Fotos jede/r MasseurIn, mit der natürlichen attraktiven Schönheit, an der frau sich nicht satt sehen kann.

Auch, wenn es für mich schwer zu greifen ist, dass Ihr den Rahmen des „persönlichen“ nicht-persönlichen haltet, die Massage in dieser passiven Rolle zu bekommen: es ist so wunderbar genial. Weil nur ich übrig geblieben bin: nur auf meinem eigene Weg zu mir selbst. Es bleibt mir nichts weiter übrig, als ihn zu gehen. Ein großartiges Geschenk.

Und doch, ich bin verliebt. In mich selbst.

Johanna